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Verleumdung & Denunziation – ein Nachsatz zur Falknerdebatte
Gerhard Falkners recht lange Replik im poetenladen
auf meine kleine Auslassung
zur Vergabe des Huchel-Preises fährt so vieles gegen mich auf–
rhetorische Husarenstreiche, Mißverständnisse, Halbheiten,
witzige wie schiefe Bilder... mir aber scheint, dass schon mein Stein
des Anstoßes die (mir) möglichen Erwiderungen auf Falkners
Replik mindestens in nuce enthält. Deshalb macht für mich die
Fortführung der Debatte wenig Sinn. Das mündet im Hand-, vielmehr
Spießumdrehen in Gladiatorenkämpfen, aus denen ich mich gern
verabschieden möchte. Für die qualitative Fortführung dieser
Debatte sollte nun der Poetenladen einstehen.
Dennoch muß ich noch auf drei Sachen eingehen, zum einen wegen einer
direkt an mich gestellten Frage, zum anderen wegen zweier unhaltbarer
Darstellungen.
Falkner weist zurecht auf den Unterschied zwischen Polemik und Denunziation
hin und ordnet meine Kritik letzterem Genre zu. Er hätte mich aber
doch der Verleumdung bezichtigen müssen, wenn es ihm um vermeintlich
üble Nachrede ging und nicht um die "Anzeige aus niedrigen Beweggründen",
wie es der Definition nach heißt. Die käme ja, wenn auch häßlicher
Absicht voll, der Wahrheit nahe.
Dieser Lapsus Falkners ist aufschlußreich. Zum einen ist, was Falkner
gegen meinen Artikel und zum großen Teil ad hominem betreibt, selbst
am ehesten Verleumdung. Zum anderen stellt sich die Frage: wenn Denunziation
– dann wovon? In der Tat habe ich mir zu diesem heiklen Punkt nicht
wenige Gedanken gemacht vor meiner damaligen Veröffentlichung und
auch deshalb nimmt sich mein Artikel an einigen Stellen deutlich zurück
("Auslassung"). Nun aber fordert mich ausgerechnet Gerhard Falkner
auf, ihn bloßzustellen. Dies bringt mich zugegebenermaßen
in Bedrängnis, nicht nur weil sein Verhalten mich an die Pointe aus
Poes "The black cat" erinnert (in der ich die unangenehme Rolle
der Ordnungshüter hätte), sondern weil die mir zugedachte Rolle
noch listenreicher angelegt ist: Folgte ich seiner Aufforderung, so würde,
was vor allem Spitze gegen Selbstgerechtigkeit und Prahlerei sein sollte,
tatsächlich Denunziation werden.
Zwei Punkte noch, die nicht so stehen gelassen werden dürfen. Zu
meinem angeblichen Preisfrust. Es ist einfach nicht schön, wenn Freunde
hineingezogen werden (Monika Rinck), selbst wenn sich solche Unterstellungen
schnell gerade rücken lassen, schließlich können genau
jene Freunde bezeugen, dass ich Preise niemandem, schon gar nicht so guten
Autoren wie Monika Rinck oder Gerhard Falkner neide.
Der zweite betrifft "Lyrik von jetzt". In der ausführlichen
Darstellung seiner berechtigten Verdienste um dieses Buch annektiert Falkner
nachgerade die Leistung Jan Wagners und Björn Kuhligks, die das Projekt
anstießen, in aufwendiger Feldforschung erarbeiteten und herausgaben
und daher als die eigentlichen Pioniere der neueren Lyrikentdeckungen
zu gelten haben.
Hendrik Jackson
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