| Es wird in letzter Zeit viel über Ratlosigkeit geredet. // "ratlos zurückbleiben ist dabei durchaus auch erlaubt" - so beendetTobias Lehmkuhl, nicht ohne Beispiel, eine Rezension. Wer erlaubt? Er es uns oder erlauben wir es uns selber, wie, Milchschnitten zu essen? O derbe Infantilität! // Es wird viel geredet, wollte ich sagen, über Wässrigkeit in der Lyrik, in diesen präpostapokalyptisch riechenden Zeiten, als wollten wir uns schon mal einen Begriff davon machen, was wir eigentlich können, um es besser einzusetzen, wenn die jetztigen Schienen zerstieben. Oft sieht man hingegen jemanden das Lyrische wie eine feine Bluse von H&M sich überstülpen. Oft ball ich auch die Faust und sehe hinunter und muss zugeben, diese Faust ist aus Seidenpapier. Die Rezensenten und ihr Rezept für Küren kann man vergessen: Was nur wenig Anzeichen trägt, schlecht zu sein, ist gut, was keine trägt, ganz außerordentlich gut. Warum gut? Das weiß niemand. Zur Zierde des Urteils hängen ein paar Girlanden sympathischer Charaktereigenschaften um den Nacken, ein Dosenschweif von Dingen, die die Kuh nicht tut, scheppert hinterdrein, eventuell einen pikanten Kontrastfleck aufgemalt, vielleicht ein paar Gene erwähnen, und die Prozession zieht ums Dorf. So ist es jährlich üblich im breiten Zulukaff Berlin. // Es wird viel geredet in letzter Zeit über das Nachahmen. Greise erliegen dem Raffkrampf, Dichter schütteln sich, als erwachten sie aus einem Schlaf. Ärgernis sind weniger einige irrelevante, leicht unheimliche Doppelgänger als die Kritiker, deren Gedächtnis nicht schreibt, und die sich in Kapuzenpullis hohlköpfiger Gegenwart huddeln und meinen, Gefeierte vor Zusammenhängen davonstehlen zu müssen. Tatsächlicher Jubel findet abseits der Zeitungen statt. // Bei einer Lesung für Dänen erblühten die Üblichen kürzlich wie schwerer Flieder der Revolution, verblüffend. Richard Obermayr brachte endlich sein Buch heraus, klug, dick und niedlich. Bei Engstler seziert Stolterfoht Gramsci und Butterbrote, bei Distillery ist ein hübsches Lyrikdebüt von einem Zeichner namens Reschitzki erschienen. Der neue Gegner ist gut, bis auf die Rückseite, wo Döring und Kitup zuviel Czernin geraucht haben. Die Autorin von Nahe Null wartet auf Entdeckung. Es gibt soviel Wunderlich-Drolliges auf der Welt. Vielleicht verlegt endlich mal jemand Kai Pohl. – Ribjonok Anna |