Der Peter-Huchel-Preis wurde zu aller Überraschung, wie man wohl sagen darf, an Uljana Wolf vergeben. Damit wurde das zweite Mal in der Geschichte des Preises ein Debutband bedacht. Die inzwischen scheinbar völlig vergessene Luise Schmidt erhielt ihn 1989 für ihren Gedichtband "Die Finsternis, die freie Existenz". Auch danach überraschte die Jury so einige Male durch ungewöhnliche Entscheidungen, die zum Teil kontrovers aufgenommen wurden. Zumindest die letztjährige Entscheidung für den Nachlaßband des bereits vor längerer Zeit verstorbenen Dichter Nicolas Born wurde nicht von allen schreibenden Kollegen goutiert: erhöhte dies doch die Wahrscheinlichkeit, den Preis selbst erst posthum verliehen zu bekommen. Nun also die Gegenrichtung: eine junge, noch nicht arrivierte Dichterin wird ausgezeichnet. Mit ihr sicherlich auch der Verlag kook-books aus Berlin, der gleich mehrere Favoriten im Rennen hatte. Nach Einladungen von etlichen kook-books Autoren zu den Wettbewerben in Dresden (findet im Mai diesen Jahres statt) und Darmstadt (wo Ron Winkler von kook-books gewann) und anderen Auszeichnungen wird man feststellen, daß kook-books nun, was neue Tendenzen in der deutschen Lyrik angeht, vorangeht. Das kommt, scheints, zur rechten Zeit, sind doch andere Verlage (wie z.B. engeler) zwangsläufig (durch berechtigte Treue zu den Autoren) ein wenig in die Jahre gekommen und haben die großen Verlage fast jegliches Interesse an Lyrik, meist aber auch den Instinkt für gute Lyrik verloren. Siehe dazu auch im Deutschlandradio Michael Braun |