Inzestbude

alles, was intern so abläuft: befreundete, verschwägerte und von uns geförderte Seiten, Debatten, das Beste aus den Feuilletons

Linksammlung zum Handkestreit

Ein Streit tobte im Netz über die Vergabe des Nobelpreises an Peter Handke. Hier eine kleine Zusammenstellung, die sich bemüht, ein “best off” zu sein: Einer der interessantesten Artikel ist der von B. Malkmus zur Sprache Handkes, der zugleich auch deutlich macht, wie komplex das Thema Handke ist: im Freitag. Eine schöne Würdigung Handkes von Gregor Dotzauer im Tagesspiegel. (Dort auch weiteres Pro&Contra, z.B. der Lyriker Jan Röhnert) – Sodann ein durchaus bedenklicher, kritischer Artikel des Germanisten Brokoff, der etwas älter ist, aus der FAZ. Auch eine kritische Stimme eines Schriftstellers eines Schriftstellers aus der Gegend (Marco Dinić) im Standart. Einwände gegenüber der Kritik an Handke bringt die Welt. Und auch eine gewisse Spektrumserweiterung hier, vor allem den junge Handke betreffend, aus einer älteren Ausgabe der konkret. Außerdem noch zwei sehr schöne sehr persönliche Auseinandersetzungen mit Handke. Zum einen die Schriftstellerin Olga Martynova auf fixpoetry. Und der Forscher Lothar Struck in der Furche. Als Nachschlag noch der Philosoph Peter Trawny in Glanz und Elend. Wer den ersten Text („Winterliche Reise…“) von Handke zum Thema Serbien und Krieg lesen will, findet ihn in der SZ. Ein kleines Resümee habe ich dann schließlich selbst noch gezogen. Doch das fundierte und tolle Schlusswort gebührt einem Mitglied der Jury des Nobelpreises, im Spiegel. (Hendrik Jackson)

P.S. Nachtrag: Inzwischen sind sehr viele weitere Anklagen und Verteidigungen erschienen und der Suhrkampverlag selbst hat ein 25-seitiges Papier herausgegeben. Als zwei äußerste Pole der Diskussion scheinen mir noch herauszuheben ein Aufsatz von Lars Hartmann in der Onlinezeitschrift Tell, der Handke als Medienkritiker versteht, und ein Aufsatz von Vahidin Preljevic, der im Perlentaucher Handkes Verstrickungen mit den serbischen Täterkreisen nachgeht.

Sprachversehrtheit vs. Sprachreparatur?

Nachdem nun die letzten Kanonenschüsse des Gomringerkriegs schon eine Weile verklungen sind und der Rauch sich verzogen hat, wird eine ähnliche Debatte, allerdings auf wesentlich ruhigerem und, wie es scheint, bisher behutsameren Niveau weitergeführt. Olga Martynova beklagte in der FAZ zunächst aus einer durchaus auch geschichtlichen Erfahrung heraus die Angst, dass Sprache durch Reglementierung Gewalt angetan werden könnte. Max Czollek verwies dann ebenfalls in der FAZ darauf, dass die Idee einer übergesellschaftlichen Sprache obsolet sei und diese selbst den Verletzungen Rechnungen tragen müsse. Hier nun dazu eine etwas launige synoptische Synopse von mir (Hendrik Jackson).

transistor – Hermeneutik und Hermetik

Eine neue Literaturzeitschrift ist in Berlin erschienen: transistor (Hrsg: David Frühauf, Saskia Warzecha und Alexander Kappe). Sie muss hier Erwähnung finden, denn ein Schwerpunkt ist Lyrikkritik, weshalb es auch etliche Querbezüge zur Lyrikkritikakademie gibt. Max Mengeringhaus setzt sich mit Nebulisten und Pedanten auseinander, hält ein Plädoyer für Hermeneutik. Die AkademieteilnehmerInnen Martina Hefter, Maja-Maria Becker, Elisa Weinkötz und Verena Stauffer sind mit poetischen Texten vertreten – die Texte der letzten beiden weisen Verbindungen zu ihren Arbeiten in der Akademie auf. Asmus Trautsch hat einen Pecha Kucha im transistor zu einer long version verschriftlicht. Hendrik Jackson versucht eine Standortbestimmung der Kritik als re-versierte Poetik. Die poetologischen Texten des Heftes sprechen sich für eine auslegende, fragende, nicht so sehr wertende Kritik aus. Die poetischen Texte des Heftes sind sehr “poetisch-hermetisch”. Das scheint zueinander zu passen? Ein imposanter Wurf dies Heft, ein wuchtiger erster Aufschlag.

Aus der Lyrikkritikwerkstatt III (Engelhardt)

Elke Engelhardt, Absolventin der Lyrikkritikakademie, rezensiert den Band “Körperalphabet” von Christine Langer. Eine weitere Kritik zu diesem Band findet sich übrigens auf buecher.de (aus der FAZ)

Aus der Lyrikkritikwerkstatt II (Hefter/Rossi)

Martina Hefter nähert sich den Gedichten Christine Lavants aus dem Nachlass an und Christina Rossi schreibt über Daniela Seels Gedichtband “Was weißt du schon über Prärie.”

Aus den Archiven gerettet

Zwei kleine Kritiken von Hendrik Jackson, die bisher nur auf signaturen erschienen, gerettet in eine zweite Runde: Zum einen Über das Glatte des Glätte-Kritikers Byung-Chul Han, zum anderen über Christian Lehnerts Landtagebuch. Eine dritte Kritik rundet diese kleine Remininszenz ab: ein pfeffriges Halldór Halldór Halldór! (Christian Filips included)

Aus der Lyrikkritikwerkstatt I (Bissig)

Timo Brandt zu Florian Bissigs sehr schöner Rezensionssammlung “Mauerlängs durch die Nacht” (Schweizer Lyrik) und Florian Bissig zu Steffen Popps Bishop-Übersetzung: Aufruhr im Herzen. Außerdem nochmal Bissig in einem Interview.